Jan 01

Achter Artikel der Reihe “InVitrO: Unveröffentlichtes 2010″  

Von Isabel Pohl (Kl. 8/3)
Gastredakteurin bei InVitrO – Die Schülerzeitung im Schaukasten und im Internet
Fotos: Wolfgang Rall
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Am Montag, den 13. September 2010, fand der Religionsunterricht der Klasse 8/3 in der 7. und 8. Unterrichtsstunde in der Werkstatt des Steinmetzmeisters Koschenz in der Schwedter Straße statt. Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Form des Unterrichts entstand am Ende des vorigen Schuljahres (nachzulesen hier: Aktion auf dem Friedhof).

Bei unseren damaligen Arbeiten auf dem Friedhof stellten wir fest, dass die Grabsteininschriften der drei ermordeten angeblichen Deserteure trotz der Reinigung kaum noch zu lesen sind. Glücklicherweise erklärte sich der Steinmetzmeister Koschenz bereit, die drei Grabsteine in seiner Werkstatt völlig unentgeltlich zu restaurieren und uns dabei mitmachen zu lassen. Doch dann kamen erst einmal unsere Klassenfahrt und die Sommerferien.

Am 13. September war es dann aber endlich soweit. Auf dem Weg zur Werkstatt waren wir alle schon aufgeregt, denn noch keiner von uns war vorher jemals bei einem Steinmetz. Dort angekommen erklärte uns Herr Koschenz, welche Vorarbeiten er bereits geleistet hatte. Wir hatten ja selbst erlebt, dass die drei Grabsteine im Laufe der Jahrzehnte so vom Moos befallen waren, dass man sie in Handarbeit mit flüssigen Reinigungsmitteln und Schrubberbürsten nicht mehr richtig sauber bekam. Deshalb hatte Herr Koschenz die aus Marmor bestehenden Grabsteine in seiner Werkstatt mit entsprechenden Maschinen bereits glatt geschliffen.

Für den weiteren Verlauf teilten wir uns in zwei Gruppen. Die Ehefrau und die Tochter von Herrn Koschenz, die mit in der Werkstatt arbeiten, zeigten der einen Gruppe, wie mit Pinseln und brauner Farbe die einzelnen Buchstaben der Grabinschriften neu nachgezogen werden. Dabei waren so viel Fingerfertigkeit und Sorgfalt notwendig, dass wir bei diesen Arbeiten zu unserer eigenen Überraschung ganz ruhig wurden.

Während die eine Gruppe die Buchstaben nachzog, zeigte und erklärte Herr Koschenz der anderen Gruppe die zahlreichen Maschinen, mit denen in seiner Werkstatt gearbeitet wird.

Wir lernten viel. So zeigte uns Herr Koschenz zum Beispiel das sehr feine Blattgold, mit dem bei entsprechenden Inschriften gearbeitet wird. Wir durften es sogar mit den Fingern berühren. Und seine Tochter, die gerade alle ihre Steinmetzprüfungen erfolgreich bestanden hatte, führte uns vor, wie die Buchstaben in die Grabsteine eingraviert werden.

Wir bedanken uns bei unserem Religionslehrer Herrn Rall und bei Familie Koschenz für ihr zusätzliches Engagement, denn ohne sie wäre diese Aktion nicht möglich gewesen.

2 Antworten zu “Unerwartete Ruhe”

  1. Ben Schneider sagt:

    Toller Artikel, Isabel!!!
    Ja die Aktion war wirklich toll und die Ruhe hatte auch was schönes. 😉

  2. Lorenz Vögel sagt:

    Ich finde, die Aktion auf dem Friedhof ist sehr schön dokumentiert. Schön, dass Herrn Koschenz sich die Zeit genommen hat, die Restaurierung der Grabsteine zusammen mit den Schülern und Schülerinnen durchzuführen.