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Kurze Geschichte meines erfolgreichen Scheiterns

15.11.2019, Freitag. Im Musikraum stehen alle Stühle im Kreis. Was uns erwartet? – der Schauspieler Michael Kuczynski erzählt uns, als Therapiegruppe, die Geschichte, die in Zusammenarbeit mit Fred Apke entstand. Herausgekommen ist dabei ein, an Schüler adressiertes, Klassenzimmertheaterstück namens „Kurze Geschichte meines erfolgreichen Scheiterns“.

Der junge Deutsch-Pole Zdislaw Krautmann, hat offensichtlich Wurzeln aus zwei verschiedenen Ländern, fühlt sich jedoch weder in dem einen oder anderen Land heimisch. Nach seiner vorurteilsgeprägten Kindheit, in der sein deutscher Vater die Familie verließ und auch seine Mutter immer melancholischer wurde, entdeckt er ein Heilmittel als Weg aus seinem Elend, die Musik.

Neben dem Musizieren verliebt er sich auch in das Gitarre spielende Mädchen Selma.
Beide nähern sich an und werden sogar zusammen unter Vertrag genommen. Sein Leben scheint sich gewendet zu haben, doch dieser Schein trügt:

Zdislaw Krautmann nimmt alles in Kauf, um nicht wieder zurück zur Mutter zu ziehen und lässt sich, im Gegensatz zu Selma, auf die Geldgier und Oberflächlichkeit des Musikgeschäfts ein. Schlussendlich zerbricht er an dem Ideal, was aus ihm gemacht werden soll, nimmt Drogen und landet in der Psychiatrie.

In dem Theaterstück kam Michael Kuczynski schauspielerisches Talent besonders zum Vorschein. Ganz allein vertraute er uns seine Lebensgeschichte an. Dadurch, dass er die Menge direkt ansprach, gelang es ihm, dass sich jeder in das Geschehen und seine Gefühle hineinversetzen konnte. Lediglich mit einem kleinen elektrischen Klavier und seinem Gesang zog er die Aufmerksamkeit auf sich. Auch seine ernsten Worte und humorvollen Erläuterungen konnten den Kern der Geschichte zum Ausdruck bringen: Er appelliert daran, dass jeder seinen eigenen Weg gehen sollte, ohne sich vollständig beeinflussen oder gar verändern zu lassen.

Meiner Meinung nach ist es ein wichtiges Thema, dass in dem Stück angesprochen wird. Durch die spannende Erzählform und humorvollen Redewendungen kann man der Geschichte gut folgen und sich in die Rolle des Zdislaws hineinversetzen.
Des Weiteren lässt sich sagen, dass durch die Authentizität des Schauspielers und der einfachen Umsetzung der Inszenierung, das Stück auf das Hauptaugenmerk konzentriert und verständlich ist.


Besonders mitreißend ist die Szene, in der Zdislaw Selma kennenlernt.
Dies stellt zwar den positiven Wendepunkt in seinem Leben dar, jedoch warten noch weitere Überraschungen auf ihn. Durch eine unerwartende Wendung gerät er schlussendlich in eine Situation, die ihn in der Psychiatrie landen lässt.
Aus dieser teilt er uns seine Erlebnisse mit und lässt uns Part der Geschichte sein.
Das ist ein interessantes Mittel, das auf den Zuschauer Vertrautheit ausstrahlt.
Auch, wenn die Geschichte von Zdislaw Krautmann ein sehr extremes Beispiel ist, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass jeder das tun sollte, was ihn glücklich macht.

Meiner Meinung nach ist das Stück nicht nur Schulklassen, sondern jedem zu empfehlen, der sich für ernste Geschichten interessiert, die mit wenig Bühnenbild, aber dafür mit  einer humorvollen Erzählweise und einer authentischen schauspielerischen Kunst punkten. In diesem Sinne: „Findet euren Weg, macht´s gut und bleibt gesund!“

Rezension: Hanna-Marie Reinhold

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