Feb 15

Elfter Artikel der Reihe InVitrO: Unveröffentlichtes

Von Agnes Rogowski (damals Kl. 7/1)
Gastredakteurin bei InVitrO – Die Schülerzeitung im Schaukasten und im Internet
Fotos: Wolfgang Rall (außer das Dritte)
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Wir kamen in den Religionsraum. Unser Religionslehrer, Herr Rall, erinnerte uns noch schnell an die Exkursionsregeln. Er gab uns Eimer, Bürsten zum Schrubben und Reinigungsmittel und schon waren wir auf dem Weg zum Friedenspark.

Nachdem wir nun, eine Woche nach unserem ersten Ausflug zum Gedenkstein, hier standen und uns auf den Weg zum Wasserholen machten, dachte ich noch einmal über die Geschichte der drei jungen Deserteure nach. Sie wurden hier am 22.02.1945 erhängt. Es ist ein schreckliches Ereignis gewesen und doch, leider, wahr.

Besonders die Tatsache, dass einer der drei so groß war, dass er bei der gemeinsamen Hinrichtung nicht starb, beschäftigte mich. Für ihn wurde danach ein Loch gebuddelt, damit er doch noch erhängt werden konnte. Er wurde somit quasi zweimal erhängt.

Nachdem jeder Wasser in seinem Eimer (natürlich mit ökologischem Frosch-Neutral-Reiniger) hatte, gingen wir zurück zum Denkmal. Jeder suchte sich eine Stelle zum Schrubben aus und begann zu schrubben.

Unsere Gruppe in Aktion

Manchmal, gelegentlich etwas öfter, wurde man auch „aus Versehen“ nassgespritzt. Aber ich denke, das gehört dazu. Natürlich wurden auch Bilder während des Schrubbens gemacht und ich hoffe, man erkennt auf diesen Bildern, dass es nicht immer einfach war – das mit dem Schrubben. Da musste man auch manchmal richtig „feste zudrücken“, um Dreck und Moos vom Stein zu schrubben.

Mancher Dreck war so hartnäckig, dass er eingeweicht werden musste.

Zudem bin ich der Meinung, es ist immer besser, von so einer „wunderlichen“ Aktion Fotos zu machen, damit man uns das auch glaubt. Warum?

     1. Wer schrubbt schon ein Denkmal, das nun seit Jahren im Friedenspark steht? Und:

     2. Wie kann es sein, dass Jugendliche zu so einer Tat überhaupt fähig sind? Die richten
         doch sonst immer nur Unheil an.

Also, diese Fotos stellen jegliche Vorurteile in Frage, die Jugendlichen nachgesagt werden, und zeigen, dass wir wirklich noch zu einer guten Tat fähig sind. Und das, obwohl wir uns nun doch schon im 21. Jahrhundert befinden und man uns angeblich nur MP3-Player hörend, Krach machend, unaufmerksam und unhöflich kennt.

Ich bin also der Meinung, es sind nicht alle Jugendlichen so verdorben, wie es immer scheint. Einige sind wirklich in der Lage, sich auch mal für gemeinnützige Zwecke zu engagieren (man behalte dies angesichts des häufigen Schubladendenkens bitte im Hinterkopf!). Und um die Sache abzurunden, gab es sogar noch ein Abschlussfoto mit gut gelaunten und sehr stolzen Jugendlichen.

Herzlichen Dank an Frau Schulz von der Ehm-Welk-Schule, die dieses Foto ermöglichte

Das Ergebnis ist noch immer zu sehen und es bleibt zu hoffen, dass das auch noch eine lange Zeit anhält. Ich bin überzeugt, wir werden die Geschichte, die mit diesem Denkmal verbunden ist, nicht mehr vergessen und haben somit wieder ein bisschen mehr Wissen im Kopf, welches sich zum gegebenen Zeitpunkt sicherlich noch einmal anwenden lässt.

Also, wer schrubbt schon ein Denkmal?

Wir natürlich!

Teile des Gedenksteins vor dem Schrubben

Der Gedenkstein nach unserer Aktion

5 Antworten zu “Wer schrubbt schon ein Denkmal?”

  1. Robin Villain sagt:

    Liebe Agnes,

    dein obiger Artikel vermittelt ein lebendiges Bild eurer Exkursion, deren Aussageabsicht die ausgewählten Fotografien hervorragend unterstützen. Die Realisierung und Erwähnung derartiger Handlungen in Publikationen verdient gleichermaßen Lob und Dank, sollten doch gerade wir als Bundesdeutsche der Geschichte nachdenklich begegnen. Bis zum heutigen Tage gefährden und gaben regelmäßig Menschen auch in unserem näheren Umfeld ihr Leben, um die gesellschaftliche Wohlfahrt aller zu befördern. Eure vermeintlich „wunderliche“ Tat bekräftigt die bürgerliche Demokratie als freiheitliche Grundordnung Deutschlands und zeigt, dass auch Jugendliche ganz selbstverständlich die deutsche Geschichtskultur prägen und am Staate partizipieren können. Demokratie wagen und bejahen bedeutet eben gleichsam, mit Blick auf die Zukunft aus Vergangenem zu lernen.

  2. Jonas Rogowski sagt:

    Hey Agnes,

    schöner Artikel, den du da verfasst hast und mindestens genauso gut, dass die Ideen von Herrn Rall immer noch Anklang finden. Kann mich erinnern, dass er das vor so cirka acht oder neun Jahren schon mal gemacht hat. Na vielleicht war das sogar schon eine Neuauflage.

    Auf jeden Fall eine im wahrsten Wortsinn glänzende und lobenswerte Art, den Angermündern ihr Denkmal wieder in Gedächtnis zu rufen, an dem so viele täglich dran vorbei kommen und vermutlich so wenige was darüber wissen.

    In diesem Sinne, bleibt produktiv!

  3. Matthias Warner sagt:

    Jetzt mal ganz ehrlich, macht euch das Spaß am Rande einer Straße neben einen Park einen Stein zu schrubben, auf dem was eingraviert ist?

    Da gucke ich mir lieber einen guten Film an und gedenke dabei dreimal mehr. Und mal ganz nebenbei erwähnt habe ich noch nie jemanden gesehen, der sich wirklich auch nur eine Minute Zeit nimmt und vor diesem Stein (Mahnmal) stehen bleibt.

  4. Wolfgang Rall sagt:

    Einige Links zu früheren Artikeln mit ähnlichen Aktionen:
    http://www.einsteingym.de/?p=2838
    http://www.einsteingym.de/?p=4111
    http://www.einsteingym.de/?p=6145
    http://www.einsteingym.de/?p=6148

  5. Miriam Lang sagt:

    Hut ab, dass sieht wirklich toll aus. Wenn man bedenkt, was der Stein für eine lange Geschichte hat …